Abgestiegen ohne Niederlage in der Relegation

5 Jun

Absteigen ist bitter. Absteigen durch ein Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit ist ganz besonders bitter. Aber Absteigen zu müssen, ohne ein Spiel zu verlieren, und mit dem Wissen, dass drei freie Plätze in der Bezirksliga in diesem Jahr ausnahmsweise mal nicht besetzt werden, das sollte man keinem Sportler zumuten.

Bipo aufstehnDer ESV München hat die Bezirksliga Nord als Aufsteiger auf dem 13. Platz abgeschlossen. Obwohl es die Eisenbahner an den letzten beiden Spieltagen gegen Kammerberg (0:0) und Inhauser Moos (0:3) in der eigenen Hand hatten, reichte es am Ende nur zum Relegationsplatz. Ein Sieg gegen Kammerberg, oder ein Punkt gegen Inhauser Moos hätte zum direkten Klassenerhalt gereicht. Also selber Schuld. Oder einfach Pech gehabt. Auf in die Relegation. Über diesen Umweg hat es ja beim ESV am Ende der Saison 2014/15 auch mit dem Aufstieg geklappt. Also dann eben in diesem Jahr Abstiegsrelegation.

Der Verband entschied sich bereits im Sommer letzten Jahres die drei Relegationsteilnehmer der oberbayrischen Bezirksligen Süd, Ost und Nord im Duell Jeder gegen Jeden (ohne Rückspiele) antreten zu lassen. Der Gruppensieger bleibt in der Bezirksliga, die beiden anderen Teams steigen ab.

So kam es dazu, das der TSV Waging das erste Duell beim TSV Großhadern mit 3:2 für sich entschied. Drei Tage später besiegte der ESV München Großhadern mit 2:1. Damit war schon mal klar, Großhadern ist abgestiegen. Im Spiel Nummer drei musste der ESV München beim 130 Kilometer entfernten TSV Waging antreten. Nebenbei bemerkt bedeutete das, dass sich alle Spieler, Trainer und Funktionäre einen Tag Urlaub nehmen mussten, um sich rechtzeitig auf die Reise an den wunderschönen Waginger See zu begeben. Anstoß war am Mittwoch ja schon um 18:30 Uhr.

Der ESV musste das Spiel gewinnen. Dank des mehr geschossenen Tores in Großhadern hätte Waging am Ende bei Punkt- und Torgleichheit Platz eins sicher.

Der Rest ist bekannt. Der ESV führte mit 1:0 und war bis zur 94. Minute in der Bezirksliga. Mit der Schlusssekunde traf Waging zum Ausgleich und schickte die Eisenbahner in die Kreisliga.
ESV Trainer Robert Tauber erkundigte sich bei Spielgruppenleiter Wolf-Peter Schulte bereits vor der Partie, warum der Verlierer dieses „Endspiels“ eigentlich definitiv absteigen muss und keine Chance mehr bekommt, um einen der frei gewordenen Plätze in der Bezirksliga zu kämpfen. Die Vorgehensweise des Bayrischen Fußballverbands kann Tauber auch nach Schultes Erklärungsversuch, das dass hald im letzten Jahr so entschieden worden wäre, in keinster Weise nachvollziehen. Tauber kann die Entscheidung des BFV nicht begreifen: „Jetzt sind wir abgestiegen, ohne ein Spiel zu verlieren. Und obwohl noch drei Plätze in der Bezirksliga frei sind. Nur weil die sich vor einem Jahr irgendwas ausgedacht haben. Sorry, aber da fühle ich mich verarscht. Jedes Jahr werden die freien Plätze aufgefüllt und Verlierer bekommen noch eine Chance.  Und wir haben nicht mal verloren. Wir haben das ganze Jahr um jeden Punkt und jeden Zentimeter gekämpft und werden dann so abserviert. Ich fühle mich vom BFV betrogen. Wie sich meine Spieler fühlen, kann sich ja jeder selber denken.“

Waging sicherte sich also das einzige Ticket für die Bezirksliga. Das einzige Ticket, obwohl noch insgesamt fünf Plätze in den drei Bezirksligen frei sind. Auch nach der Relegation der Kreisliga-Zweiten bleiben noch drei Platze frei. D. h. die neun Kreisliga-Zweiten spielen in einer knochenharten Relegation bis zum 20. Juni zwei Plätze aus. Zwei Aufsteiger, für noch fünf freie Bezirksligaplätze. Da fragt man sich nicht nur als Verlierer, warum die freien Plätze nicht wie jedes Jahr mit Mannschaften von unten aufgefüllt werden. Mannschaften die das ganze Jahr hart für so einen Erfolg kämpfen. Warum spart man sich nicht die überflüssig gewordene zweite Runde bei den Kreisliga-Zweiten und lässt vier statt zwei Mannschaften rauf. Und dazu noch den zweiten aus der Bezirksliga-Relegation. Also den in der Relegation ungeschlagenen ESV München.

Dann wäre alles wieder in der Reihe und jede Bezirksliga hätte wie gewohnt 16 Mannschaften.

Der BFV hat aber anders entschieden. Und zwar schon im August 2014. Konnte ja keiner wissen, dass kein Oberbayrischer Landesligist runter muss. Eine flexible Entscheidung ist beim BFV leider in diesem Jahr nicht möglich. Spielen wir die Bezirksliga-Saison 2015/16 einfach mit drei Gruppen a 15 Mannschaften. Passt schon. Hätten der ESV eben seine Spiele gewinnen müssen. Sind wahrscheinlich einfach nur schlechte Verlierer, die Eisenbahner aus Nymphenburg. Verlierer? Nein, keine Verlierer. Sondern Absteiger! Und zwar ohne ein Spiel verloren zu haben!

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